Das Leiden Christi auf einer oberpfälzer Bühne. Der Ort, der geradezu weltweit die Assoziation "Passionsspiele" hervorruft, ist Oberammergau. Jedoch auch im oberpfälzischen Raum hat die szenische Darstellung des Leidens und Sterbens Christi eine lange mitunter bis ins späte Mittelalter zurückreichende Tradition. So zeigte man 1524 in Amberg, und zwar in Anwesenheit fürstlicher Gäste, was den Repräsentativen Charakter des Spiels unterstrich, die "figurn des (!) passion", die vorgeblich seit unvordenklichen Zeiten "zu osterlichen Zeiten gehalten" werden.
Im Zeichen barocker Frömmigkeit erlebte das geistliche Volksschauspiel seine größte Blüte. Die Präsentation der Leidensgeschichte Jesu geriet im 17. und 18. Jahrhundert zu einer "Pflichtaufgabe" von Kleinstädten, Märkten u. Dörfern. In Burglengenfeld, Eschenbach, Furth i.Wald, Hohenfels, Kemnath, Neustadt a.d.Waldnaab, Regenstauf, Rötz, Schwandorf oder Waldsassen kamen "Passions Comedien" und Karfreitagsprozessionen mit dramatischen Einlagen zur Aufführung - als groß angelegte, ausdrucksstarke Inszenierungen im Freien mit einer Vielzahl von Mitspielern. Einen Einschnitt bedeuteten die staatlichen u. kirchlichen Verbote der Aufklärungszeit. Erst um Mitte des 19. Jahrhunderts konnte die Passionsspieltradition mancherorts wieder aufgenommen werden.
Heute präsentiert sich die Oberpfalz erneut als eine lebendige Spiellandschaft. Ein eindrucksvolles Zeugnis bieten nicht nur die szenischen Ölbergandachten in Dietfurt und Berching, sondern auch die Passionsspielaufführungen in Kemnath, Neumarkt, Fuchsmühl und Tirschenreuth, oftmals in der literarisch geglückten Verbindung von Hochsprache u. heimatlichem Dialekt.
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